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 Hagen - Lokalkolorit und Historisches

  Auszüge aus aktuellen und historischen Texten 

850 Jahre Hagen -eine Verpflichtung –
ein Bericht aus 1980 von Heinrich Diedler.

Das diesjährige große Dorfjubiläum verdanken wir der Kenntnis von Hagens Geschichte. Deren herausragende Daten hat Dr. Bohmbach in seinem Beitrag zur Festschrift knapp und eindrucksvoll dargestellt. Ich kann hier nur darauf verweisen. Wenn mir zur Aufgabe gestellt ist, aus dieser Vorkenntnis zum heutigen Thema überzuleiten, so möchte ich folgende Behauptung voranstellen: Die Geschichte Hagens ist von den Geschicken seiner Bauerngeschlechter geprägt. Ohne die Eigenschaften, die sie ausgezeichnet und die sie uns in besonderem Maße vorgelebt haben, werden auch wir, unsere Nachkommen und unser ganzes Volk in der Zukunft nicht bestehen können. Ich meine, daß sie sich trotz heute kaum vorstellbarer ärmlicher Lebensverhältnisse mit Fleiß, Selbstbehauptungswillen, Beharrlichkeit und Gemeinsinn immer wieder die Lebensgrundlage erstritten haben. Das gilt auch heute noch, mögen sich die Vorstellungen über die äußerliche Gestaltung des Lebens im übrigen im Laufe der Zeiten auch wandeln. Leben wir diese Eigenschaften unserer Jugend vor, damit sie die Orientierung behält.

Wie sah denn das Leben im Dorf in früheren Jahrhunderten bis zur neuzeitlichen technischen Revolution aus? Diese Frage sei erlaubt, wenn man aus der Vergangenheit über die Gegenwart Folgerungen für die Zukunft ziehen will. Indem ich sehr vereinfache, können wir uns Hagen von seinen Gründungszeiten her über das Mittelalter bis in das 19. Jhdt. hinein unter den verschiedenen großen gesellschaftlichen und sozialen Ordnungen der vergangenen Jahrhunderte als eine kleine Lebens- und Gefahrengemeinschaft vorstellen. Zehn bis zwölf bäuerliche Hofstellen gaben die Grundlage, auf der wenig mehr als 50 Menschen lebten. Noch am Anfang dieses Jhdt. zählte Hagen nur gut 200 Seelen, aber die soziologische Umformierung zur gemischtberuflichen ländlichen Gemeinde hatte bereits begonnen.

In früheren Zeiten kannte natürlich jeder jeden im Dorf. Man stand sich in allen Lebenslagen gegenseitig bei. Alte und Kranke, die übrig geblieben waren, wurden von der ganzen Dorfgemeinschaft unterhalten.Ludolph Lühmann beschreibt den hiesigen Menschentyp in seiner ausgezeichneten Beckdorfer Dorfchronik: " Der fleißige, sparsame, wenig auffallende, dorfgemeinschaftlich gebundene Landmensch galt als Maßstab für das eigene Handeln." Alte Regeln und Gewohnheiten waren selbstverständlich wie: Der Gruß auf der Straße, die dörflichen Feste aus Anlaß z. B. von Hochzeiten -die Nachbarschaften, kurz die gesamte Dorfgemeinschaft war intakt.

Der revolutionäre Strukturwandel des dörflichen Lebens durch die allgemeine und die landwirtschaftl. Technisierung hat auch vor Hagen nicht haltgemacht. Das Pferd, 3000jähriger Arbeitsgefährte, wird innerhalb von zehn Jahren durch Schlepper, Mähdrescher, Vollernter und Innentechnisierung abgelöst. Das Dorf wächst atemberaubend. Alt überlieferte Namen wie Stelling, Wiebusch, Robohm, Fiege und nicht zuletzt Hinck, geraten in die Minderheit. Das Niedersächsische Bauernhaus verschwindet aus dem Dorfbild -kurz: Das Dorf wird Teil der Industriegesellschaft, Wohn- und Schlafplatz für Pendler, die außerhalb des Dorfes ihren Lebensunterhalt suchen.

Der moderne Lebensstil- geprägt von Auto, Fernsehen und technischem Komfort -nimmt seinen Lauf mit all seinen Bequemlichkeiten und Vorteilen, aber auch unverkennbaren Nachteilen.

Was ist nun von der alten Lebensform auch für den heutigen Menschen erhaltenswert, -der durchaus bewußt aufs Dorf zieht -nachdem die Fundamente der früheren Dorfgemeinschaft in erheblichem Maße abgebaut sind und an die Stelle des Interesses für die Geschicke des anderen Anonymität zu treten droht. Ich meine -und dafür Beweis anzutreten fällt nicht schwer- Hagen hat es trotz der raschen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten vermocht, sich die wichtigsten überlieferten Bürgertugenden zu bewahren. Zum Ausdruck kommen sie in den bewußt neben die einst gewachsene bäuerliche Lebensgemeinschaft gesetzten Gemeinschaftsformen, die heutige Zweckbestimmungen verfolgen; so die freiwillige Feuerwehr von 1934, der Schützenverein von 1966 und der Sportverein von 1975.

Das Eigenleben in moderner Ausprägung ist in Hagen gesund, wie die schönen Dorffeste, das rege Vereinsleben, die immer noch bestehenden Nachbarschaften, die Erfolge bei der Aktion "Unser Dorf soll schöner werden", gemeinsame Landschaftssäuberungsaktionen. Vieles andere und nicht zuletzt die Gestaltung dieses Festes stets von neuem beweisen. Wir müssen den gemeinschaftsdienlichen Sinn der Vereine und anderen Zusammenschlüsse von Bürgern bewußt halten und ihre gemeinschaftsfördernde Kraft als Teil dörflicher Eigenart erhalten. Sie sollen insbesondere auch Anziehung und Integrationskraft auf den nicht abzusehenden Zuzug von Neubürgern entfalten, Gleiches gilt für den Kinderspielkreis und den Altenkreis, insbesondere aber für den uns noch erhaltenen Teil der nun fast 200 Jahre alten Schule. Welche dorfgemeinschaftlichen Impulse gingen früher von der kleinen Dorfschule aus, die alle Kinder des Ortes zusammenfaßte! Davon ist nur noch die Grundschule verblieben, die anderen Schüler sind auf viele Schulen verstreut. Lassen Sie sich uns gemeinsam darum bemühen, diesen Rest zu erhalten.

Eine ganz besondere Notwendigkeit zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der örtlichen Gemeinschaft sehe ich darin, den Ortsrat zu erhalten. Aus der Geschichte wissen wir von der stets engen Verbindung zu Stade, in das Hagen eingepfarrt ist, von den jahrhundertelangen Eigentumsbeziehungen von Hagener Höfen zu den Stader Klostern. Gleichwohl meine ich, daß sich Hagen einen Teil von Eigenständigkeit und Selbstverwaltung gegenüber dem durch Wasserschutzgebiet und künftige Autobahn abgetrennten Stade bewahren muß.

Ich meine sozusagen als "Trabant mit Eigenleben." Hagen hat bisher .gezeigt, daß Eingemeindung nicht Aufgabe des Eigenlebens bedeuten muß. Ich bin mir breiter Zustimmung gewiß, wenn ich feststellen darf, daß auch unser Ortsrat wesentlich dazu beigetragen hat. Er hat stets über parteipolitisches Taktieren das allgemeine Wohl des kleinen Gemeinwesens gestellt. Wir dürfen hoffen, daß es auch so bleibt.

Auch wenn es nicht zum Thema gehört, muß aber auch hervorgehoben werden, daß die öffentlichen Anliegen bei der Stadt Stade in guten Händen liegen. Uns fehlt zur Zeit im wesentlichen nur die in Aussicht gestellte Sporthalle und ein etwas besserer Ausbau des Stadtweges. Für meinen eigenen Entschluß, vor fast zehn Jahren nach Hagen zu ziehen, war sein Charakter als Bauerndorf mit entscheidend. Wir sollten uns gemeinsam wünschen und dafür einsetzen, daß gerade auch unsere Landwirte ihre Existenzvoraussetzungen behalten. Ich kenne Bauerndörfer, wo die wohnbauliche Entwicklung mit moderner landwirtschaft unvereinbar geworden ist. Wir brauchen die Landwirtschaft nicht nur als die sinnvollste Form, unsere Landschaft in ihrer Vielgestaltigkeit intakt zu halten, sondern wir möchten auch in Zukunft unsere Eier und unsere Milch vom Bauernhof holen können.

Die bisherige Entwicklung Hagens gibt Grund zu der Hoffnung, daß wir Hagen als das unseren Kindern übergeben können, als was wir es von unseren Vorgängern übernommen haben, nämlich -ich zitiere aus dem Stader Band der Kunstdenkmale des landes Niedersachsen die folgende Charakterisierung: " Hagen-Dorf -eine von Hecken umhegte Siedlung” Diese Kennzeichnung ist, so glaube ich, mehr als eine Beschreibung; aus ihr spricht etwas von Daseinsgeborgenheit. Ich will mich bemühen, meinen Schlußsatz in richtigem Platt zu sagen:

Ich rop Jo op, dat wi all tohop doto bedrägen dot, dat dat so blif.

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