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 Hagen - Lokalkolorit und Historisches

 Chronik

Hagen - die Entwicklung einer Landgemeinde      Stand 1980

850 Jahre Hagen - das ist immerhin ein recht hoher historischer Anspruch! Können tatsächlich spätestens für 1130 Siedlungsspuren belegt werden, die sich kontinuierlich bis heute fortsetzen? In den Kunstdenkmalen des Landkreises Stade heißt es dazu lapidar: erste Erwähnung 1130. Ehe wir die Frage, ob dies auch zutrifft, tatsächlich beantworten können, müssen wir etwas weiter ausgreifen.

Der Flurname »Haghen« oder »Haghene« wird erstmals erwähnt in zwei verschiedenen Urkunden des Bremer Erzbischofs Gerhard II von 1257, in denen dieser den Besitz des Klosters St. Georg in Stade aufführt und bestätigt.

Die erste Urkunde vom 11. März 1257 stellt fünf dem Kloster St. Georg verliehene Privilegien zusammen; für uns interessant ist das erste des Markgrafen Rudolf von Stade, des Stifters des Klosters, der 1132 St. Georg überträgt:

-einen Hof und 8 Hufen in Farven
-2 Hufen und die Mühle in Malstedt
-6 Hufen und 2 Wälder in Ohrel
-freie Fischerei von Bredenbeck bis Malstedt
-5 Hufen in Byhusen
-1 Hufe in Ölkershusen
-1 Hufe in Windershusen
-in Hagen 3 Hufen mit dem Zehnt über 5 Hufen und der dortigen Mühle
-1 Hufe in Düdenbüttel
-1 Haus mit freiem Wald in Hemelingbostel -15 Joch Land in Damfleth

Das Schwergewicht dieser Schenkungen, die ja aus dem Gut der Grafen von Stade erfolgen, liegt südlich und östlich von Bremervörde nur einiges, wie eben Hagen, liegt in der Nähe von Stade. Für 1132 sind also mindestens 5 Hufen Bauernland und die Mühle in Hagen bereits überliefert; eine Hufe hatte im übrigen einen regional sehr unter- schiedlichen Flächeninhalt, meist aber etwa 30 Morgen, und galt vor allem als Maß eines Vollhofes, so daß also für 1132 wenigstens 5 Vollbauernstellen nachzuweisen wären. In der gleichen Urkunde von 1257 wird aber auch noch ein Privileg des Pfalzgrafen Friedrich erwähnt, in dem dieser der Kirche von St. Georg »tres mansos in Hagena« (3 Hufen in ...) überträgt. Dieses »Hagena« nun ist von Hucke (die Grafen von Stade) unbedenklich auch mit Hagen, nicht aber Hagenah, verbunden worden, und, da Friedrich dieses Gut als Mitgift seiner Frau Liutgard 1130 erworben haben muß, ist hieraus die Jahreszahl 1130 entstanden.
 

In der zweiten Urkunde von 1257, vom 27. März, heißt es nur »Hagen tres mansos et molandinum« (drei Hufen und die Mühle), das Zehntrecht des Klosters ist also fortgelassen. Hierbei müssen wir uns noch weiter vor Augen halten, daß die beiden Urkunden von 1257 sowieso nur einen bereits entstandenen Zustand legitimieren wollen, also nicht alle erwähnten Schenkungen und Erwerbungen tatsächlich schon 1132 und in den Folgejahren erfolgt sein müssen, an manchen Stellen sind auch Fälschungen nachgewiesen worden.

Nehmen wir einmal an -und es spricht auch nichts dagegen -, daß der Besitz in Hagen zur Erstausstattung des Klosters St. Georg gehörte, also 1132 vergeben wurde. In diesem Fall müssen wir zu Recht annehmen, daß sowohl die Bauernstellen - die Hufen - als auch besonders die Mühle schon wesentlich älter waren, da sie zum in diesem Gebiet konzentrierten Eigengut der Stader Grafen gehörten. Mit anderen Worten: die 850-Jahrfeier ist nicht zu früh, eher zu spät angesetzt.

 Für die nächsten fast 200 Jahre schweigen die Quellen über die Entwicklung Hagens. Erst 1321 wird der Ort im ältesten  Stader Stadtbuch wieder genannt, 1323 besitzt Mechthild de Cimiterio (vam Kerkhove) eine jährliche Abgabe von 1 1/2 Scheffel Weizen in der oberen Mühle (in superiori molendino) in Hagen. Aus weiteren Eintragungen in den Stader Stadtbüchern lassen sich die frühen Grundherren in Hagen ermitteln, es sind einmal die Stader Ratsfamilie de Cimiterio und die Familie de Haghene, wohl wirklich nach dem Ort benannt und ebenfalls schon im 13. Jahrhundert im Stader Rat. Allerdings löst die Familie de Haghene in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts offenbar ihren Stammbesitz auf: eine Hälfte hat Cord Kammermeister erworben, die andere wird 1383 an das Kloster in Neukloster geschenkt.

 Beide Teile erwirbt der Stader Ratsherr Radekin de Stadis; sie bringen jährlich 4 Scheffel Getreide und sind ingesamt 116 Mark wert. Zuständig für die Auflassung der Güter, d.h. also die freiwillige Gerichtsbarkeit, war der Vogt der Börde Mulsum, in einem Fall berichtet er sogar dem Stader Rat über die vollzogene Eigentumsübertragung.

 Erste ausführlichere Angaben finden wir für die Zeit um 1500 im sog. Vörder Register, einem Verzeichnis aller Rechte und Einkünfte der erzbischöflichen Vogtei in Bremervörde. Hier heißt es vom Dorf Hagen: es gehört zum Kirchspiel St. Wilhadi in Stade und in das Gericht der Börde Mulsum, womit übrigens schon genau die Grenzlage des Dorfes umschrieben ist. Im ganzen Dorf Hagen hat das Erzstift Bremen das Hohe (Straf-) und das Niedere Gericht, wofür es eine eigene Gerichtsstätte, die »richtekule« gibt, die auf der Seite nach Fredenbeck liegt und durch einen großen Stein gekennzeichnet war, den aber der Abt des Klosters St. Marien in Stade, Luder Bremstede, hatte beseitigen lassen, wohl um sich der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs zu entziehen. Im Dorf Hagen gibt es um 1500 sechs Bauhöfe, von denen drei dem Kloster Harsefeld, zwei dem Kloster St. Marien in Stade und einer dem Kloster St. Georg gehören.

 Im Jahr 1499 hat der Abt des Klosters St. Marien in Stade begonnen, eine neue Mühle bauen zu lassen, und sie trotz aller Einreden des Abts von Harsefeld und des Propstes von St. Georg auch vollendet. Man sagt, der Abt von St. Marien habe schon eine andere Mühle oberhalb der neuen, am Steinbach, besessen und wohl nach deren Verfall den Bau der neuen Mühle begonnen. Zu dieser Zeit hatte der Abt auch die Mühle in Stade gepachtet und verwandte das für die dortige Mühle vorgesehene Holz zum Bau der Hagener Mühle und ließ die Stader Mühle verfallen. Erst später gelang es dem Erzbischof, die neue Was- sermühle wieder an sich zu ziehen.

In dem Vörder Register werden auch die ersten Vollbauern genannt, es sind Johann Buter, Karsten to Hagen und Heyne Vos. Mit dem Jahr 1524 setzt dann für Hagen wie für andere Orte die Reihe der Schatzregister, Beschreibungen zu Steuerzwecken, ein, die uns zum Teil sehr detaillierte Angaben liefern. Das Pflugschatzregister von 1524 verzeichnet 4 Vollbauern:

Lutke Vos, Peter Meiger, Hinrik Dirichs, Michel Buther und zwei Kötner, die nur mit ihrem Vornamen

-Johann und Marquart -genannt werden.

Eine genaue Beschreibung der Haushalte mit ihrem Viehbestand liefert das Register des 16-Pfennig-Schatzes von 1570, so genannt, weil der sechzehnte Teil des errechneten Vermögens als Steuer

-allerdings auf vier Jahre verteilt -gezahlt werden mußte. Wegen des großen Wertes dieser Angaben soll der Inhalt dieser Beschreibung mit den Wertangaben abgedruckt werden.

16-Pfennig-Schatz 1570

Jurgen Ditrichs

 

 

 

 

 

 

 

Haus   

30 Mark

 

4 junge Rinder

6 Mark

 

4 Ochsen    

24 Mark

Scheune, Koben

15 Mark

 

8 Schweine

6 Mark

 

2 Betten

6 Mark

2 Pferde

16 Mark

 

30 Schafe

15 Mark

 

4 Kühe   

16 Mark

Hausgerät

 4 Mark

 

 

 

 

 

 

Gesamt

138 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Johann Buter

 

 

 

 

 

 

 

Haus

12 Mark

 

1 Schwein

1 Mark

 

3 Kühe  

12 Mark

2 alte Pferde

5 Mark

 

1 Bett

4 Mark

 

Hausgerät 

       -,-

Gesamt

34 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lutke Wietbusck

 

 

 

 

 

 

 

Haus

15 Mark

 

4 Schweine

2 Mark

 

Scheune

4 Mark

20 Schafe

10 Mark

 

2 Pferde

12 Mark

 

2 Betten

6 Mark

2 Ochsen

22 Mark

 

2 Kühe, 1 Kalb

8 Mark

 

Hausgerät 

  1 Mark

Gesamt

80 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lutke Gercken

 

 

 

 

 

 

 

kleines altes Haus

6 Mark

 

1 Schwein

1 Mark

 

1 Pferd

4 Mark

2 Kühe

8 Mark

 

1 Bett

3 Mark

 

 

 

Gesamt

22 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Voß

 

 

 

 

 

 

 

Haus

12 Mark

 

8 junge Stiere

4 Mark

 

4 kl. Schweine

3  1/2Mark

2 Pferde

16 Mark

 

4 Ochsen

20 Mark

 

5 Schafe

2 Mark

4 Kühe

20 Mark

 

Hausgerät

2 1/2Mark

 

 

 

Gesamt

80 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alke thom Vorde

 

 

 

 

 

 

 

arm, jetzt Gercke Olrichs, ein armer Kötner und Tagelöhner, hat noch keine Güter..., hat nur, was er von

frommen Leuten verdient, gibt dennoch 8 Schilling.

 

 

 

 

 

 

 

 

Johann Tibbeken

 

 

 

 

 

 

arm; ist, wie der Herr Abt berichtet, ein gar armer Mann, hat nichts als Hunger und Kummer, gibt dennoch 

8 Schilling.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Harmen Stellingk ein Kötner

 

 

 

 

 

 

altes verfallenes Haus

5 Mark

 

2 Kühe

8 Mark

 

2 alte Pferde

10 Mark

2 Farken

1 Mark

 

1 Bett

2 Mark

 

Hausgerät 

1 Mark

Gesamt

27 Mark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wicher Wiettbusck

 

 

 

 

 

 

arm; ist auch ganz arm, hat gar nichts, will aber 6 Schilling geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schatzregister von 1570 führt insgesamt 9 Haushalte auf, von denen aber drei ausdrücklich als arm bezeichnet werden. Wohlhabend sind nur vier, wohl Vollbauern; interessant ist auch der gesamte Viehbestand:

11 Pferde, 10 Ochsen, 24 Kühe und Rinder, 2 Stiere, 18 Schweine, 55 Schafe.

Noch eingehender ist das Schatzregister von 1597, das insgesamt 15 Haushalte aufführt, wenn es auch keine Wertangaben liefert. Es soll hier auch abgedruckt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schatzregister von 1597

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Hein Stelling

 

 

 

 

6 Fach Haus

16 Kühe u. Ochsen

12 Fach Scheune

14 junge Rinder

4 Pferde

9 Schweine

2 junge Pferde

125 Schafe

 

 

 

 

 

 

 

Johann Wittbusch, Wichers Sohn

 

 

 

4 Fach Haus

6 Rinder

8 Fach Scheune

4 Schweine

4 Pferde

 30 Schafe

1 junges Pferd 

8 Kühe u. Ochsen

 

 

 

 

 

 

 

Aleke Direckes

 

 

 

 

6 Fach Haus

7 junge Rinder

16 Fach Scheune

6 Schweine

4 Pferde

73 Schafe

18 Kühe u. Ochsen

 

 

 

 

 

 

 

 

Catharina Hawschildes   arm

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinrich Gercken

 

 

 

 

5 Fach Haus    

2 Kühe

9 Fach Scheune

2 Rinder

2 Pferde

 

 

 

 

 

Johann Meier, Häusling

1 Kuh

 

 

 

 

 

 

 

Michel von Graffel

 

 

 

 

4 Fach Haus

 9 Rinder

9 Fach Scheune

5 Schweine

3 Pferde

47 Schafe

1 junges Pferd

7 Kühe u. Ochsen

 

 

 

 

 

 

 

Jurgen Olrichs

 

 

 

 

5 Fach Haus

 6 Kühe

10 Fach Scheune

2 Schweine

3 Pferde

5 Schafe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinrich Rattken

 

 

 

 

4 Fach Haus

1 Schwein

6 Fach Scheune

23 Schafe

2 Pferde

 

 

 

 

 

Schäfer  J. Manen

3 Kühe

30 Schafe

1 Rind

 

 

 

 

 

 

Metke Tibbeken

 

 

 

 

4 Fach Haus

2 Rinder

2 Fach Scheune

2 Schweine

3 Pferde  

10 Schafe

1 junges Pferd

2 Kühe

 

 

 

 

 

 

 

Berendt Greve, Häusling

1 Kuh

 

 

 

 

 

 

 

Claus Rattken

 

 

 

 

6 Fach Haus

9 Kühe u. Ochsen

6 Fach Scheune

6 Rinder

2 Pferde

 4 Schweine

2 junge Pferde

56 Schafe

dem Knecht gehören 10 Schafe

 

 

 

 

 

Johann Wittbusch

 

 

 

 

6 Fach Haus

11 Kühe u. Ochsen

8 Fach Scheune

4 Rinder

3 Pferde

32 Schafe

1 junges Pferd

 

 

 

 

 

 

 

 

Marten Rattken, Häusling

1 Kuh

 

 

 

 

 

 

 

Peter Stelling in der Heide Brinkkate

1 Pferd

1 Kuh

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 In der Schatzbeschreibung von 1597 erscheinen also 12 selbständige Haushalte, 3 Häuslinge und ein Schäfer; der Vieh bestand hat sich charakteristisch vermehrt:

39 Pferde, 137 Ochsen, Kühe und Rinder, 33 Schweine, 441 Schafe.

Der gesamte Vieh bestand hat also erheblich zugenommen, insbesondere jedoch die Schafhaltung.  

Den nächsten grundlegenden Überblick läßt eine Kirchspielbeschreibung von 1657 gewinnen. Hervorgehoben wird hier noch einmal, daß das Dorf zum Kirchspiel St. Wilhadi in Stade gehöre, der Vogt in Mulsum aber die Steuern einnehme. Das Land ist sandig, ein ganzer Hof hat 10 Scheffel Saatland (etwa 5 Morgen), von denen aber 3 wüst bleiben, ein halber Hof umfaßt 7 Scheffel, von denen zwei wüst bleiben, 1 Pflugkate hat 2 1/2 Scheffel Einsaat. Das ganze Land ist jetzt zehntfrei. Ein Vollhof gewinnt im Jahr 10 Fuder Heu, ein halber drei Fuder, eine Pflugkate zwei Fuder. Vorhanden sind 4 Vollhöfe, von denen zwei Harsefelder Meier, einer Meier des Obersten Lixfelt, der vierte zum Haus Bremervörde gehört. Von den 4 Halbhöfen sind zwei ebenfalls Harsefelder Meier, einer untersteht dem Rat von Stade, der vierte je zur Hälfte dem Stader Rat bzw. dem Haus Bremervörde. Von den drei Pflugkaten gehören zwei zum Rat von Stade, einer ist Harsefelder Meier.

In der Kopfschatzbeschreibung von 1663 werden auch die Halbhöfner zu den Pflugkaten gezählt, so daß 4 Bauleute und nun 8 Pflugkaten aufgeführt werden, dazu 4 Häuslinge, 3 Pflugtreiber, 1 Schäfer, 5 Knechte, 4 Mägde, 17 Frauen und Mütter, 5 Kinder über 12 Jahren, insgesamt also 51 Personen über 12 Jahren. In den folgenden Steuerbeschreibungen schwanken die Angaben zwischen 11 und 12 selbständigen Feuerstellen. Eine erste verläßliche Einwohnerangabe erhalten wir für das Jahr 1740, als 119 Einwohner in 22 Haushalten leben; davon sind 52 Kinder, 17 Knechte und 9 Mägde.

1752 hat Hagen 4 Vollhöfe, auf denen noch 4 Häuslinge und 8 Knechte leben, 4 Halbhöfe mit 3 Häuslingen und 2 Knechten, 3 Viertel höfe mit 1 Häusling und 2 Knechten; erstmals beschrieben wird auch die Mühle, aus Steinen gemauert und mit Pfannendach, dazu 1 Scheune und ein kleines Brauhaus.

Die Wassermühle selbst ist, wie aus einer Verfügung der Justizkanzlei Stade von 1762 hervorgeht, kanzleisässig, d.h. der Rechtsprechung des Amtmanns zu Harsefeld entzogen und direkt der Justizkanzlei unter- stellt. Damaliger Besitzer ist der Müller Steffens in Deinste.

Erstmals 1789 erwähnt wird die Schule in Hagen; Lehrer ist damals Jürgen Wiechmann. Die Besetzung der Lehrersteile erfolgt durch Wahl der Prediger von St. Wilhadi in Stade auf Vorschlag der Gemeinde. Schulhaus und Garten werden von der Gemeinde gestellt, dazu erhält der Lehrer jährlich von den 11 Hausleuten je 1 Brot und 1 Pfund Butter. An Schulgeld ist für jedes Kind in der Winterschule von Martini bis Ostern je 1 Mark, in der Sommerschule vor Martini je Kind und Woche 1 Schilling zu entrichten. Der Lehrer hat etwa 40 Kinder von 5 bis 14 Jahren zu unterrichten, da die Kinder früher als vorgeschrieben eingeschult werden. Die Hausleute geben dem Lehrer gewöhnlich, wenn sie schulpflichtige Kinder haben, je ein Fuder Torf zur Heizung der Schulstube, für die übrige Feuerung muß er selbst sorgen, darf aber wie jeder andere in der Gemeinheit Torf graben.

Neue Angaben zur Bevölkerungszahl finden sich in der Franzosenzeit. Zunächst einmal werden die Orte Hagen, Deinste und Heidkrug zu einer Commune Hagen zusammengelegt, die nun insgesamt 328 Ein- wohner umfaßt, davon 158 in Hagen. Die Bevölkerung wächst 1815 auf 162, 1819 auf 166,  1848 auf 191 Einwohner.

Im 19. Jahrhundert wird dann auch die Neuordnung der Verwaltungsgliederung in Angriff genommen. Hagen liegt, wie auch alte Karten des 18. Jahrhunderts zeigen, auf der Grenze zwischen dem Amt Stade. Agathenburg (dem ehemaligen Klosteramt Stade) und der Börde Mulsum, die zu dem am Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen Amt Harsefeld gehörte. Nachdem schon 1835 die Einwohner von Hagen den Antrag gestellt hatten, vom Amt Harsefeld an das Amt Stade-Agathenburg verlegt zu werden, wird jedoch erst am 22. 10. 1846 zum 1. 1. 1847 die Verlegung ausgesprochen: Hagen wird Teil des Amts Stade- Agathenburg, das später im Amt Himmelpforten aufgeht.

Von einer neuen Bevölkerungszählung im Jahr 1855 sind auch die Urlisten erhalten, so daß eine genaue Aufschlüsselung der Bevölkerung möglich ist.

Hagen hatte damals 31 Wohngebäude mit 34 Familien und 199 Einwohnern, davon 98 männlich und 101 weiblich. Darunter waren Kinder bis 14 Jahren 68 (34,2 %), Jugendliche bis 20 Jahren 31 (15,6 %), im Alter von 20 -45 74 Einwohner (37,1 %), von 45 - 60 14 Einwohner (7 %), von 60 -90 noch 12 Einwohner (6 %). Auch eine Liste der Einwohner nach Hausnummern kann gegeben werden; es wohnten:

Haus Nr. 1 a:   Halbhöfner Joh. Peter Schuldt mit Frau, Knecht, 3 Kindern,
                           Magd und Schäfer Joh. Bösch

Haus Nr. 1 b:    Häusling Christoph Oelckers mit Frau und Tochter

Haus Nr. 2 a:   Vollhöfner Friedrich Hinck mit Frau, 5 Kindern, 2 Knechten,
                           2 Mägden, 1 Kindermädchen

Haus Nr. 2 b:    Häusling Claus Wiebusch mit Frau und 2 Kindern

Haus Nr. 2 c:    Häusling Johann Tomforde mit Frau und 2 Kindern

Haus Nr. 3 a:   Halbhöfner Hinrich Lüchau mit Frau, 2 Kindern, Mutter,
                           1 Knecht, 1 Dienst jungen, 2 Mägden

Haus Nr. 3 b:   Altenteiler Matthias Wiechern mit Knecht und dessen Frau

Haus Nr. 4 a:    Kötner und Soldat Johann Köster mit Frau, 2 Kindern,
                           1 Knecht, 1 Dienst jungen, 1 Magd

Haus Nr. 4 b:   Häusling Claus Cohrs mit 1 Tochter

Haus Nr. 5 a:   Kötner Joh. Peter Baumgarten mit Frau, 2 Kindern, Altenteiler,
                         1 Husar, 1 Magd, dem Schäfer Claus Rathjens

Haus Nr. 5 b:   Häusling Claus Cohrs mit Frau, 2 Kindern, Altenteiler, Pflegetochter

Haus Nr. 6 a:   Halbhöfner Johann Hinck mit Frau, 4 Kindern, Altenteiler

Haus Nr. 6 b:   Häusling Christian Oelkers mit Frau, 3 Kindern, Altenteiler

Haus Nr. 7 a:   Vollhöfner Maria Hinck mit Sohn und Magd;
                           Häusling Sophie Wehrt mit Pflegesohn

Haus Nr. 7 b:   Häusling und Tischler Hinrich Hinck, 2 Kinder

Haus Nr. 7 c:   Häusling und Musikus Joh. Peter Hinck mit Frau
                         und 4 Kindern

Haus Nr. 8 a:   Vollhöfner Claus Fiege mit Frau, Schwester, 2 Knechten,
                         Schäfer Peter Dankers, 1 Dienstjungen, 1 Pflegesohn, 2 Mägden

Haus Nr. 8 b:   Häusling Peter Martens und Frau

Haus Nr. 8 c:  Häusling und Schuhmacher Hans-Peter Bosselmann mit Frau
                         und Sohn; Schuhmachergeselle Diedrich Bohmbach mit Frau
                         und 2 Kindern

Haus Nr. 9 a:  Vollhöfner Joh. Peter Robohm mit Frau, 2 Kindern, 3 Knechten,
                         3 Mägden, dem Schäfer Heinrich Tomforde

Haus Nr. 9 b:  Altenteiler Joh. Peter Robohm mit Frau, Schwiegertochter und  Enkelin

 Haus Nr. 9 c:  Häusling Paul Lüchau mit Frau, 4 Kindern

Haus Nr. 10 a: Kötner Claus Robohm mit Mutter, 2 Kindern, 1 Magd

Haus Nr. 10 b: Häusling Peter Hauschild mit Frau, 4 Kindern

Haus Nr. 11 a: Kötner Peter Meyer mit Frau, 2 Kindern, 1 Knecht, 2 Mägden

Haus Nr. 11 b: Altenteilerin Dorothea Meyer mit 2 Kindern

Haus Nr. 12:    Müller Johann Siebe mit Frau, 4 Kindern, 2 Knechten, 1 Magd

Haus Nr. 13:    Schmied Carl Friedrich Wiebusch mit 5 Kindern, 1 Lehrling

Haus Nr. 14:    Schullehrer Jürgen Dammann mit Frau, 3 Kindern, 1 Magd

Haus Nr. 16:   Krugwirt Friedrich Fiege mit Frau, 3 Kindern, 1 Magd, 1 Knecht,
                       dem Schneider und Soldaten Heinrich Tomforde

Haus Nr. 17: Anbauer Joachim Cohrs mit Frau, 2 Kindern, einem Altenteiler.

Die weitere Entwicklung soll hier nur ganz kurz gestreift werden. Die Bevölkerungszahl war 1885 auf 202 Einwohner, 1905 auf 206, 1925 auf 263, 1939 auf 278 angewachsen.

1947 lebten auf einer Fläche von rund 947 ha 468 Einwohner, im Jahr 1950 bereits 525, von denen allerdings 223 (42,5 %) Vertriebene waren. Von 45 landwirtschaftlichen Betrieben wurden 693 ha landwirtschaft- lich genutzt, an Vieh wurden gehalten 102 Pferde, 518 Rinder, 436 Schweine, nur noch 19 Schafe.

1960 war die Bevölkerungszahl wieder auf 453 Einwohner gesunken, von denen aber nur 123 Vertriebene waren. 1970 war die Bevölkerungs- zahl schon wieder auf 614 in 166 Haushalten angewachsen, nur noch 20,2 % der Erwerbspersonen waren in der Landwirtschaft tätig, aber 37,3 % im produzierenden Gewerbe. Die weitere Entwicklung soll hier nur ganz kurz gestreift werden. Die Bevölkerungszahl war 1885 auf 202 Einwohner, 1905 auf 206, 1925 auf 263, 1939 auf 278 angewachsen.

Nach längeren Verhandlungen, auch mit der Samtgemeinde Fredenbeck, wurde am 1. 7. 1972 der Eingemeindungsvertrag mit der Stadt Stade abgeschlossen, durch den Hagen jetzt eine Ortschaft in der Gesamtstadt Stade ist.

            Dr. Jürgen Bohmbach


 

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