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Vielen Dank an den Autor dieser Seite: Dipl.-Ing. Wilfried Böhling (Landespflege)

Weitere Beiträge des Autoren auch auf der Internetseite der Stadt Stade  ”Natur und Landschaft

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Alte Wallhecken in der Ortschaft Hagen

 Was sind Wallhecken eigentlich?

Jeder hat bestimmt schon einmal den Begriff Wallhecke oder Knick gehört. Aber was verbirgt sich dahinter und gibt es in Stade noch Wallhecken oder Knicks?

 
Ja, im südlichen Stadtgebiet zwischen der Ortschaft Hagen und dem Stadtteil Ottenbeck ist diese einstige Nutzungsform der Kulturlandschaft noch in wenigen Resten zu erkennen. Leicht zu finden sind die wenigen Wallhecken noch auf der westlichen Seite der Harsefelder Straße zwischen Riensförde und Steinbeck. Werfen Sie hier bei Ihrer Fahrradtour einen aufmerksamen Blick auf die Weiden und Felder. Dort sehen sie linienförmige Baum- und Heckenreihen auf einem Wall. Das sind die nachfolgend beschriebenen uralten Wallhecken.

                                                   Wallhecke ohne Sträucher


Sind Wallhecken geschützt?
Ja, sie sind nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz (§ 33) geschützt.
Als Wallhecken sind alle mit Bäumen oder Sträuchern bewachsenen Wälle zu bezeichnen, die im Rahmen der historischen Landnutzung – vor allem zur Einfriedung - angelegt wurden. Geschützt sind daher alle heute noch existierenden Wall- und/oder Gehölzstrukturen, die sich anhand historischer Karten auf den Ursprung einer Wallhecke zurückführen lassen.


Auch Wälle, deren Gehölzbewuchs nicht mehr vorhanden ist, sowie Hecken und / oder Baumreihen, deren Wall nicht mehr eindeutig erkennbar ist, sind geschützt.

Entstehungsgeschichte der Wallhecken

Die Wallhecken sind Bestandteile der Kulturlandschaft, wie sie durch menschliche Bewirtschaftung im Lauf der Jahrhunderte gestaltet wurde und sie sind Folge dieser vom Wald befreiten Landschaft.

In Niedersachsen bedeckten in der einstigen Naturlandschaft dichte Eichen- und Buchenwälder über 80 % der Fläche. Durch den Eingriff des Menschen wurde der Wald in wenigen tausend Jahren durch Holzeinschlag, Brandrodung und Waldweide auf geringe Restflächen reduziert.

Die ersten Bauern, die auf der Geest sesshaft wurden, richteten ihre Ackerparzellen auf den höher gelegenen sandigen Böden ein. Außerhalb dieser Flächen fand eine gemeinschaftliche Beweidung (Allmende oder Gemeine Mark) statt. Um diese als Gemeinschaftsacker genutzten Flächen vor dem in der Allmende herumziehenden Vieh und dem Wild zu schützten, umgaben die Bauern diese Flächen damals mit einem Wall. Der Bau eines massiven Holzzaunes scheiterte oft an fehlendem Baumaterial, und Draht gab es in der damaligen Zeit noch nicht. So wurden die Flächen mit Erdwällen umgeben und anschließend mit Büschen und Bäumen bepflanzt. Damit das Vieh nicht durch die Hecken ausreißen konnte, wurden die Äste der Bäume und Sträucher von den Bauern immer wieder umgeknickt. Sie wurden dadurch unpassierbar. Daher kommt der uns bekannte Name „Knick“.

Auch entlang der Triftwege wurden seinerzeit Wallhecken angelegt, auf denen man das Vieh täglich von seinen Stallungen innerhalb des Dorfes in die Allmende und zurück trieb. Das bei den Grabenreinigungen anfallende Material füllte man auf die Wallkrone, die dadurch Jahr für Jahr an Höhe gewann.

Die Funktion der Wallhecken kehrte sich im Zuge der Privatisierung der Gemeinen Mark im 18. bis 19. Jahrhundert um. Anfänglich schützten sie die bewirtschafteten Flächen vor dem herumziehenden Vieh. Nun dienten sie dem Bauern als Einfriedung seiner Weiden für die eigenen Viehherden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine dichte undurchdringliche Hecke, die das Vieh wirkungsvoll am Verlassen der Parzelle hinderte. Neben ihrer Schutzfunktion besaßen die Wallhecken in der damaligen Zeit auch eine nicht unerhebliche Bedeutung für die Brennholzgewinnung. So wurden innerhalb der Hecken Gehölze in einer Höhe von 10 bis 20 cm über den Erdboden abgeschnitten, die anschließend wieder austrieben (auf den Stock setzen).

Wallhecken dienten also verschiedenen Zwecken, von der Grenzkennzeichnung über die Abwehr feindlicher Überfälle (sogenannte Landwehren) bis zur Einhegung von Acker- oder Weideflächen und Holzgewinnung.

Anfang des letzten Jahrhunderts ersetzte der Stacheldraht die Einfriedung und die Wallhecken verloren an Bedeutung. Durch Flurbereinigungen und Intensivierung der Landwirtschaft sind in den letzten 100 Jahren viele Wallhecken verloren gegangen. Heute gibt es nur noch wenige Wallhecken. Deshalb benötigen sie einen besonderen Schutz.

Neben der historischen Bedeutung sind Wallhecken auch aus Naturschutzsicht sehr wichtig. Die Vegetation der Wallhecken entwickelt sich in der meist intensiven Agrarlandschaft ungestört und bietet vielen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum und auch Deckung. Südseiten empfangen mehr Sonne und sind der Lebensraum von wärmeliebenden Arten. Die absonnigen und kühleren Seiten bieten wiederum anderen Arten einen Lebensraum. Hecken verbinden Biotope untereinander (Biotopverbund) und gliedern unsere Landschaft und machen sie so für das menschliche Auge besser erfassbar.

Wallhecken können diese ökologischen Funktionen nur dann erfüllen, wenn sie sich in einem „heckenwürdigen“ Zustand befinden, d.h. wenn sie einen vitalen, dichten Strauchbestand besitzen und wenn sie von den angrenzenden Feldern nicht zu stark durch Düngemittel- oder Herbizideinsatz beeinträchtigt werden.

Viele Wallhecken befinden sich jedoch in einem derart schlechten Zustand, dass nur noch ein geringer Teil dieser ökologischen Funktionen erfüllt wird. Eine mangelnde Heckenpflege ist eine der Hauptursachen. Die natürliche Entwicklung der Hecke wird auch durch zu häufigen Rückschnitt (alle 2 bis 3 Jahre) unterbunden und dadurch wird die ökologische Wertigkeit stark reduziert.

Für die Erhaltung einer dichten Strauchhecke ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Besonders die Wallhecken nährstoffärmerer Sandböden müssen alle 8 bis 10 Jahre auf den Stock gesetzt werden (d.h. auf ca. 10 bis 20 cm Höhe abschneiden). Die Pflegemaßnahmen sollten, soweit dies arbeitstechnisch vertretbar ist, nur abschnittsweise durchgeführt werden. Dicht stehende Baumreihen müssen ausgelichtet werden. Jeweils ein Fünftel bis maximal ein Viertel der Wallhecke sollte von Bäumen (als Überhälter in der Hecke) beschattet werden. Dadurch bekommen die Sträucher und die Krautschicht ausreichend Licht und können sich innerhalb der Hecken ausreichend entfalten. Das Auflichten der Baumreichen wird zudem bei vielen Landwirten die Bereitschaft zur Heckenpflege erhöhen. Es sind weniger die regelmäßig auf den Stock gesetzten Strauchhecken, die eine Ertragseinbuße verursachen können, als vielmehr die viel zu dicht stehenden Überhälter.

Nicht als Wallhecken im Sinne des Naturschutzgesetzes gelten bewachsene Wälle, die in anderen als den hier dargestellten historischen Zusammenhängen entstanden sind, wie z.B. Lärmschutzwälle oder ein am Waldrand aufgeschobener und bewachsener Stubbenwall.

Wallhecken dürfen nicht beseitigt werden. Alle Handlungen, die das Wachstum der Bäume und Sträucher beeinträchtigen, sind verboten. Pflegemaßnahmen sind erlaubt, auch die bisher übliche Nutzung der Bäume und Sträucher bleibt zulässig, wenn deren Nachwachsen nicht behindert wird.

Informationen geltenden Schutzbestimmungen erhalten Sie bei der Naturschutzbehörde des Landkreises Stade (04141-12-0) oder bei der Stadt Stade-Planungsamt (04141-401-327, 401-335).

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